21. Mai 2014

VERNETZUNGSTAG 2014


ALT UND JUNG SINGEN MITEINANDER



IMPRESSIONEN




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«MUSIK KENNT KEIN ALTER» – ABER ALTER KENNT OFT KEINE MUSIK

Wie bringe ich junge Tenöre in den Kirchenchor? Mit dieser Gegenfrage beantwortete einer der Teilnehmenden die Einstiegsfrage, was ihn beschäftige. Damit traf er den Nerv vieler Teilnehmenden des diesjährigen Vernetzungstags. 34 Fachpersonen, die bereits heute intergenerative Singprojekte organisieren oder künftig ins Auge fassen, nahmen teil, um von einander zu lernen und sich über eigene Erfahrungen auszutauschen.

Prof. Hans Hermann Wickel der Fachhochschule Münster nutzte die Frage des Teilnehmenden als Überleitung zu seinem Referat «Musik kennt kein Alter». Denn es sind nicht nur die Jungen, die man fürs Singen begeistern muss. Ältere Menschen haben oft mehr Probleme, geeignete Bedingungen vorzufinden, um bei Musikprojekten mitzuwirken, oder Hemmungen halten sie zurück. Damit beschäftigt sich Wickel in der Musikgeragogie – die Vermittlung der Musik im Alter. 

Wickel zeigt an Beispielen auf, wie intergenerative Projekte erfolgreich durchgeführt werden können, und wie wichtig es ist, sowohl die Bedürfnisse der Jungen als auch jene der älteren Generationen zu berücksichtigen und dabei authentisch zu bleiben.

Motiviert durch das spannende Referat lancierten die Teilnehmenden eine angeregte Diskussion über eigene Erfahrungen, förderliche Rahmenbedingungen und Stolpersteine bei der Durchführung generationenübergreifender Singprojekte. 

Den Abschluss machte die Präsentation von zwei Praxisbeispielen: «Liederpaten für Kindergärten» und «Singsong». Sie veranschaulichten den Teilnehmenden die Hürden, die über die verschiedenen Etappen eines intergenerativen Projekts genommen werden müssen. Doch der Einsatz lohnt sich: Denn intergenerative Projekte helfen, Vorurteile und Berührungsängste gegenüber der anderen Altersgruppe abzubauen.

Lesen Sie mehr in der Dokumentation des Vernetzungstages.



INTERVIEW MIT PROF. HANS HERMANN WICKEL, FH MÜNSTER



Sie engagieren sich sehr dafür, dass ältere Menschen   Musik machen – warum?

Ich möchte sicherstellen, dass älteren Menschen in jeder Phase des Alters und in jeder Lebenslage kulturelle Teilhabe aktiv und rezeptiv möglich ist, auch bei zunehmenden Beeinträchtigungen und schwierigeren Bedingungen, selbst bei dementiellen Veränderungen. Musizieren muss auch im Alter quasi barrierefrei gewährleistet sein!

Was ist anders in Generationen-Singprojekten als in anderen Projekten?

Durch das Singen fallen auf ganz natürlichem Wege Grenzen weg, weil man das sofort und völlig voraussetzungslos machen kann und in dem Augenblick alle gleich sind und problemlos gemeinsam etwas „produzieren“, das alle gleichermaßen emotional bewegt und in Einklang bringt.

Passiert da zwischen Jung und Alt etwas – was?

Es kommt über die Musik zu einer unverkrampften Begegnung und die Verständigung fällt über Musik plötzlich ganz leicht, wenn es zunächst Barrieren oder Berührungsängste geben sollte. Die Musik kann intensive gemeinsame Erlebnisse inszenieren, von denen beide Seiten sehr profitieren. Und die Begegnungen machen auch neue musikalische Erfahrungen möglich, die einer Generation im Alleingang sozusagen verschlossen geblieben wäre. Und, ganz wichtig: solche Begegnungen können mögliche negative Bilder, die die eine Generation jeweils von der anderen hat, korrigieren!

Sind Auftritte das Ziel oder eher das gemeinsame Singen?

Auf jeden Fall beides: Durch die Vorfreude auf einen Auftritt kommt es zu einer starken Motivation im Prozess. Auch Ältere präsentieren gerne ihre Leistungen, man muss nur die Balance zwischen Fordern und Überfordern finden, damit kein unerwünschter und unangenehmer Druck entsteht!